NOTFALL- & GESUNDHEITSPASS

B


BIRKE

(Betula pendula roth)














Volksnamen: Besenbirke Frühlingsbaum, Hängebirke, Maibaum, Moorbirke, Rauhbirke, Sandbirke, Warzenbirke, Weißbirke.

Arzneilich verwendete Pflanzenteile: Blätter, Teer und Saft.

Pflanzenbeschreibung: Das Aussehen einer Birke (ihre Heimat ist das gemäßigte Europa) zu beschreiben, kann ich mir wohl ersparen, ich möchte hier nur auf den Unterschied der beiden Birkenarten eingehen. Betula pendula ist eine Hängebirke und Petula pubescens die Moorbirke. Die Hängebirke ist größer als die Moorbirke und bevorzugt trockene Standorte. Ihre Zweige hängen herab und sind in jungem Zustand mit warzigen Harzdrüsen besetzt. Auch sind die Blätter größer. Die Moorbirke hingegen besitzt behaarte junge Zweige (sie heißt deshalb auch Haarbirke), der Name (Moorbirke) weist auf den Standort hin; sie wächst in feuchten Wäldern, Mooren und Sümpfen lieber als auf trockenen Böden. Beide Arten werden arzneilich genutzt.

Ernte und Aufbereitung: Zumeist werden die jungen Blätter in den Monaten Mai und Juni gesammelt und an der Luft getrocknet. Den Birkensaft gewinnt man im Frühjahr, wenn die Säfte aufsteigen, indem man die Rinde einschneidet und den ausfließenden Saft in Blechbehältern auffängt. Eine andere Saftgewinnungsmethode ist das Anbohren: Mit einem etwa 1 cm dicken Bohrer bohrt man 5 cm tiefe Löcher in den Stamm, setzt in das Bohrloch sofort ein Röhrchen oder eine Rinne ein und hängt das Auffanggefäß daran. Aus einem Bohrloch fließt dann etwa 10 Tage lang Birkensaft in einer Tagesmenge von 1 bis 5 Litern, was von der Witterung und auch der Temperatur abhängig ist.

Den Birkenteer gewinnt man durch die sogenannte trockene Destillation aus den Zweigen und der Stammrinde. Die Birkenrinde, die hauptsächlich der Teergewinnung dient, wird im Frühjahr vom Stamm oder von älteren Zweigen und Ästen geschält und anschließend getrocknet.

Inhaltsstoffe (Wirkstoffe): Als Wirkstoffe der Blätter hat man Flavonoide erkannt, die durch zahlreiche andere Inhaltsstoffe (ätherisches Öl, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Saponine, Vitamin C und andere) ergänzt werden. Birkensaft enthält Invertzucker, organische Säuren, Salze, Eiweißstoffe und pflanzliche Wuchsstoffe. Birkenrinde enthält reichlich Betulin (Birkenkampfer), ein Phytosterin, Gerbstoffe, Bitterstoffe, ätherisches Öl, Harze und andere organische Substanzen. Der Birkenteer zeichnet sich durch den Gehalt an Phenolen (guajacol, Kresol und andere) aus.

Heilwirkung und Anwendung: Birkenblätter-Tee ist einer der besten Tees zur Wasserausscheidung. Er reizt die Niere nicht, sorgt aber dennoch für vermehrte Harnbildung. Sein Einsatz zur Durchspülungstherapie der Harnwege bei bakteriellen, entzündlichen Erkrankungen, auch verbunden mit krampfartigen Zuständen, ist allgemein beliebt, sowohl bei Urologen (Fachärzten für Harnleiden) und praktischen Ärzten als auch bei Laien.

Und das BGA nennt unter dem Abschnitt Anwendungsgebiete: »Erhöhung der Harnmenge sowie Behandlung von Erkrankungen, bei denen eine erhöhte Harnbildung erwünscht ist (Harngrieß, zur Vorbeugung von Harnsteinen)«. Als Gegenanzeigen gelten Wasseransammlungen (Ödeme) infolge eingeschränkter Herz- und Nierentätigkeit.

Ob und in welchem Ausmaß durch Birkenblättertee eine Ausscheidung von Salzen (besonders der harnsauren Salze) möglich ist, darüber sind die Wissenschaftler noch unterschiedlicher Meinung. Es mehren sich jedoch die Ansichten, daß durch kurmäßige Anwendung von Birkenblättertee der Harnsäurespiegel im Körper verringert werden kann.


So wird Birkenblätter-Tee bereitet:

2 gehäufte TL Birkenblätter werden mit 250 ml kochendem Wasser übergossen und nach 10 Minuten abgeseiht. Der Tee soll mäßig warm getrunken werden. 3 Tassen pro Tag sind die richtige Dosierung. Nach Beendigung der Entwässerung muß der Tee wieder abgesetzt werden.

Darüber hinaus sind Birkenblätter Bestandteil zahlreicher Teemischungen gegen Stoffwechselerkrankungen, zur Frühjahrs- und Herbstkur, gegen Rheuma und Gicht. Birkenteer wird zu Salben und Einreibungen verarbeitet, die man jedoch vornehmlich in der Tiermedizin verwendet. Er soll gegen Räude und andere Hautschäden wirksam sein. Sehr selten werden Einreibungen  aus Birkenteer auch bei Rheuma gebraucht. Das Birkenwasser kennt man als Haarwasser. Es soll den Haarausfall stoppen, der Schuppenbildung entgegenwirken und das Haar einfetten.

Birkenblätter, Birkenwasser und Birkenteer als Hausmittel: Im slawischen und germanischen Volks(aber)glauben hat die Birke eine ganz besondere Rolle gespielt. Daran erinnern heute noch die Pfingst- und Fronleichnamsbirken.
Deshalb ist es verständlich, daß die Volksmedizin die Birke nicht nur sehr viel genutzt hat, sondern sie auch überbewertet. Was im Abschnitt »Heilwirkung und Anwendung« ausgeführt wurde, ist vertretbar, doch was darüber hinausgeht, sollte mit Vorsicht gewertet werden: In der Volksmedizin gibt man Birkenwasser bei Magenkoliken, zieht mit Birkenteer Abszesse auf, verarbeitet den Teer zu Salben gegen Schrunden und Hornhaut und empfiehlt den Tee aus Rinde und Blättern gegen Zuckerkrankheit.

Zu akzeptieren allerdings sind frische junge Birkenblätter als Bereicherung eines Frühlingssalates. Zusammen mit Löwenzahn, Kresse und Feldsalat ergibt das eine gesunde Abwechslung.

Nebenwirkungen: Bei der Verwendung von Birkenblättern als Tee sind in der oben angegebenen Dosierung keine Nebenwirkungen zu befürchten. Die innerliche Anwendung des Birkensaftes in unverdünntem Zustand kann nicht empfohlen werden, bei der Verwendung des Teers sind Hautreizungen möglich.

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