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STOTTERN

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STOTTERN


DEFINITION

Beim Stottern ist der Redefluss unfreiwillig und überdurchschnittlich häufig unterbrochen. Die Unterbrechungen sind durch Wiederholungen von Lauten, Silben und Wörtern, Blockierungen und Dehnungen gekennzeichnet. Die Betroffenen empfinden das Sprechen außerdem als übermäßig anstrengend.

Bei etwa 1% der Kinder tritt das Stottern bis ins Erwachsenenalter auf.


Sprachentwicklung

Zu Beginn der Sprachentwicklung durchlaufen viele Kinder eine Phase, in der der Sprechablauf unflüssig ist. Bleiben diese Unflüssigkeiten, die den Stottersymptomen ähneln. Länger bestehen und lösen Verunsicherung und Besorgnis aus, sollten sie abgeklärt werden.


URSACHE

Die Ursache des Stotterns ist unbekannt. Es entsteht i.d.R. im Kindesalter; zwischen 3 und 6 Jahren. Neben der unflüssigen Rede treten meist vielfältige Begleit- und Folge-erscheinungen auf, die die Kommunikation mehr oder weniger stark stören.
Ein Vielzahl von Faktoren können diesen multiplen Symptomenkomplex entstehen lassen, auslösen und aufrechterhalten: familäre Dispositionen (häufig befinden sich weitere Stotterer in der Verwandschaft), frühkindliche Hirnschäden, -> Sprachent-wicklungsstörungen, Traumata. Außerdem könnten sich Umgebungsfaktoren, wie ungünstiges Zuhörerverhalten, ungünstige Sprachvorbilder, Zeitdruck und ungünstige familäre Interaktion auswirken. Auch ein Ungleichgewicht zwischen äußerlichen und innerlichen Anforderungen und Fähigkeiten auf verschiedenen Ebenen wie Sprachniveau, Kognition, Emotion, Motorik können eine Rolle spielen.


SYMPTOME

Stottern ist ein Symptomenkomplex und individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt. Man unterscheidet zwischen der Kernsymptomatik und der Begleitsymptomatik.


Kernsymptomatik

Zur Kernsymptomatik zählen das Wiederholen von Lauten („k-k-k-kommst du…“), Silben („ko-ko-ko-kommst du …“) und Wörtern („ich-ich-ich- ich will …“) sowie die Dehnung von Lauten („sssssssag doch …“), d. h. Ein Laut wird länger artikuliert. Bei Blockierungen („- - - mit …“) verzögert sich der Sprecheinsatz aufgrund einer übermäßigen Anspannung der am Sprechen beteiligten Muskulatur lautlos.

Begleitsymptomatik

Umwelt und Kind reagieren auf das Stottern in vielfältiger Weise. Die Erscheinungen, die ursprünglich als Strategien gegen das Stottern eingesetzt werden, manifestieren sich häufig auffälliger und irritierender als die Redeunflüssigkeiten selbst. Diese Begleitsymptomatik kann sich auf verschiedenen Ebenen äußern: emotional durch Selbstwertverlust, (Sprech-)Ängste usw. Beim verhalten fällt auf, dass oft Sprechsituationen vermieden oder Blickkontakte abgebrochen werden. Auch die Sprechweise ist verändert. Aus motorischer Sicht kommt es oft zu Anspannungen, Mitbewegungen wie Augenblinzeln, Grimassieren, Arm- und Kopfbewegungen usw. Sprachlich fällt auf, dass die Patienten Wörter vermeiden, Sätze umstellen oder z. B. Floskeln benutzen. Vegetativ kommt es zu Erröten, Schwitzen, Herzklopfen oder Zittern.


Diagnose

Ziel der Stotterdiagnostik ist zum Einen festzustellen, ob das Kind überhaupt ein behandlungsbedürftiges STottern hat. Zum Anderen sollen auslösende und aufrechterhaltende Faktoren des Stottern identifiziert werden. Die Befunderhebung beginnt mit einer ausführlichen Anamnese. Neben Fragen zur Allgemeinentwicklung oder zum familiären, sozialen Umfeld sind spezielle Fragen zum Thema Stottern erforderlich. Man fragt z. B. Danach, welche Ursache die Eltern vermuten, wie sie selbst, andere und das Kind mit dem Stottern umgehen, wann das Stottern am stärksten, wann am geringsten ist, ob es situationsbedingt oder personenabhängig ist, welche Gefühle dabei auftreten, usw.

Da sich Stottersymptome auf vielfältige Weise zeigen, sollten Äußerungen des Kindes zur genauen Dokumentation und Auswertung auf Band oder Video aufgenommen werden. Anhand von freiem Spiel, Bildergeschichten, Lesetexten oder Gesprächen können die Patienten zu Äußerungen angeregt werden. Das aufgezeichnete Gespräch liefert Wortmaterial, anhand dessen die Stottersymptome festgestellt werden können: Wie häufig kommt es zu einem Symptom und wie lange dauert es? So kann z. B. Die Dauer einer Blockade von weniger als 1 Sekunde bis zu einigen Sekunden variieren. Ebenso unterschiedlich kann die Häufigkeit der Lautwiederholungen sein.

Die Fahndung nach der Begleitsymptomatik ist entscheidend um festzustellen, ob das Stottern behandlungsbedürftig ist oder nicht. Fallen Risikofaktoren wie Defizite in der allgemeinen Sprachentwicklung (z. B. Wortschatz, Grammatik) auf, muss die Diagnostik dahingehend erweitert werden.


Differentialdiagnose

Die Differentialdiagnose sollte u. a. das -> Poltern und Stottern voneinander unterscheiden. Das Poltern ist hauptsächlich von einem hohen Sprechtempo und phonetischen Auffälligkeiten gekennzeichnet. Das Stottern hingegen weist vorrangig Laut- und Silbenwiederholungen, Dehnungen von Lauten und Blockierungen auf, die mit Anstrengung, Anspannung in Form von Mitbewegungen einhergehen. Es treten jedoch auch Mischformen auf.


Therapie

Für das Störungsbild Stottern gibt es eine große Vielfalt an Therapieansätzen. Sie lassen sich grob in direkte und indirekte Verfahren unterteilen. Für beide Verfahren gilt, dass das Thema Stottern nicht tabuisiert werden darf. Die Therapie, die meist eine sehr intensive Zusammenarbeit mit Kind und Eltern bedeutet, sollte nicht abrupt beendet werden, sondern langsam ausklingen.


Indirekte Verfahren

Die Therapie richtet sich hier nicht direkt an das Kind, sondern die Eltern werden trainiert und beraten. Diese Trennung ist jedoch eher theoretischer Natur, denn in der Praxis hat sich die Kombination zwischen der Arbeit mit dem Kind und der Arbeit mit den Eltern bewährt.


Direkte Verfahren

Beim direkten Ansatz wird das Stottern selbst durch das Training der Sprechtechniken therapiert. Dabei werden die am Sprechen beteiligten Bereiche trainiert, also Atmung, Stimme und Artikulation. Ein andere Ansatz hat zum Ziel, das Stottern zu modifizieren, d. h. zu „verflüssigen“. Ein weiterer Baustein in der Therapie ist das Pseudostottern.



Atmung, Stimme, Artikulation.

Hierbei verbessern Atemübungen die häufig gestörte Koordination zwischen Atmung und Sprechen. Für die Stimme gilt es, weiche Stimmeinsätze zu erarbeiten, wie sie z. B. Bei einem „oh“ oder „ah“ vorkommen. Dies vermindert den Tonus (Muskelspannung) der Stimmlippen. In Hinsicht auf die Artikulation gilt das gleiche Prinzip: Es sollen weichere Kontakte erzielt werden, die dem Stottern entgegenwirken. Hierzu werden z. B. bei /p/ die Lippen locker aufeinander gelegt. Das metrische Sprechen, also das Sprechen auf einen vorgegebenen Takt, verhindert oder reduziert einerseits Stotterereignisse. Doch die Sprechweise wird sowohl vom Sprecher als auch vom Zuhörer als sehr künstlich erlebt.

Modifikation des Stotterns.

Das Stotterereignis wird hierbei stufenweise verändert:
1. direkt nach dem Auftretens eines Symptoms.

2. während des Auftretens.

3. bevor das Symptom eintritt.

Um jedoch das Stottern beeinflussen zu können, muss die Wahrnehmung des Kindes intensiv geschult und die Auseinandersetzung sowie eine Desensibilisierung gefördert werden. Eltern und Kind sollen für das Stottern und die Reaktionen darauf unempfindlicher gemacht werden, sodass ein leichterer Umgang damit entstehen kann.

Pseudostottern.

Dies bedeutet, dass die Therapeutin und das Kind absichtlich stottern. Das Erlernen des Pseudostotterns bietet einigen therapeutischen Nutzen: Es fördert die Eigenwahrnehmung für die motorischen Abläufe, baut Ängste ab, enttabuisiert das Stottern und verbessert die Sprechflüssigkeit.

Spielerisch haben die Kinder die Möglichkeit, sich ihrem Thema zu nähern. Ein Beispiel ist „Erwisch mich“ - das Kind soll bei der Therapeutin Stottersymptome aufdecken und erhält dafür Punkte. Später ist ein Rollentausch möglich. Um erarbeitete Therapieinhalte sozusagen auf ihre Alltagstauglichkeit zu erproben, wird die Arbeit „ins Leben“ verlagert. Das Kind ruft z. B. die Therapeutin an und erledigt die zuvor besprochene Sprechaufgabe am Telefon.


Umgang mit Stotternden

Beim Umgang mit Stotternden sollte man Blickkontakt halten, nicht für den Stotternden sprechen. Verständnis und Geduld aufbringen und ruhig zuhören. Denn für den Stotterer gilt: Lieber stottern statt schweigen!


Prognose

Über den Erfolg einer Behandlung kann nichts Eindeutiges gesagt werden. Grundsätzlich ist eine frühe therapeutische Intervention für die Prognose als günstig zu bewerten. Der Erfolg einer Stottertherapie kann darin liegen, dass die Sprechunflüssigkeiten seltener und weniger intensiv auftauchen oder dass das Kind weniger Sprechängste hat. In manchen Fällen verliert sich das Stottern gänzlich. Keine Therapie kann jedoch von vornherein eine Heilung garantieren.