NOTFALL- & GESUNDHEITSPASS

E


EIBISCH

(Althaea officinalis)







Volksnamen:

Adewurzel, Alter Thee, Driantenwurzel, Flußkraut, Heilwurz, Heimischwurzel, Ibsche, Schleimwurzel, Weiße Malve, Weiße Pappel, Weißwurzel.


Arzneilich verwendete Pflanzenteile:

Wurzel, Blätter, Blüten.


Eibisch ist eine ausdauernde, behaarte Staude, die bis 1,5 m hoch wird. Man erntet in der Hauptsache die zweijährige Wurzel. Die gestielten Blätter, die spiralig am Stengel angeordnet sind und sich durch eine filzige weißliche Behaarung auszeichnen, sind drei- bis fünflappig und am Rand unregelmäßig gekerbt. In Ihren Achseln entwickeln sich in büscheliger Anordnung gestielte weiße oder rötliche große Blüten.

Blütezeit:

Juni bis August

Vorkommen:

Eibisch im Freien zu suchen, dürfte bei uns in Mitteleuropa ein wenig erfolgversprechendes Unterfangen sein, denn Wildbestände sind überaus selten. Auf salzigen Böden (in der Nähe von Salinen), an der Ostsee, auf feuchten Wiesen behauptet er sich noch gelegentlich, sonst aber stammt aller Eibisch des Handels aus Kulturreihen. Die Heimat dürften die Länder um das Kaspische Meer, das Schwarze Meer und das östliche Mittelmeer sein.


Ernte und Aufbereitung:
Um eine einwandfreie Droge zu erhalten, muß man  die frisch geerntete Wurzel sehr rasch trocknen. Das kann an der Luft oder bei künstlicher Wärme geschehen. Dauert der Trockenvorgang zu lange oder liegen die noch feuchten Wurzel herum, so siedeln sich sehr schnell Saprophyten (Pilze) an, die eine Zersetzung einleiten. Die so minderwertig gewordene Droge ist fleckig und riecht auch muffig.

Blätter und Blüten werden jung gepflückt und schnell im Schatten getrocknet.


Inhaltsstoffe (Wirkstoffe):

Im Vordergrund steht der hohe Schleimgehalt des Eibisch. Aber auch die bis zu 35% in der Wurzel enthaltene Stärke ist erwähnenswert: Rohrzucker und Pektin sowie zahlreiche Mineralstoffe ebenfalls. Blätter und Blüten enthalten weniger Schleim, aber etwas ätherisches Öl.


Heilwirkung und Anwendung:

Seit der Antike ist die Eibischpflanze bekannt und seit dieser Zeit nutzt man sie. Es ist interessant, daß die Anwendung in der Medizin über all die Jahrhunderte gleichgeblieben ist. Schleim wirkt reizlindernd bei Entzündungen im Inneren des Körpers (Magen und Darm) und äußerlich auf der Haut und an den Schleimhäuten von Mund und Rachen.
Schleimdrogen bewähren sich auch als Hustenmittel, weil sie den Hustenreiz dämpfen und das Abhusten erleichtern.

Und folglich wird eine Abkochung der Eibischwurzel (Tee)  innerlich bei Magenschmerzen, bei Durchfällen und Darmbeschwerden mit Erfolg gegeben.

Ein Eibisch-Tee mit Honig gesüßt ist ein gutes Hustenmittel und lindert auch die Beschwerden bei chronischem Asthma, Staublunge und Emphysem.

Bei Entzündungen im Mund, am Zahnfleisch und im Rachen kann man mit einer Eibisch-Abkochung spülen oder gurgeln und dürfte sehr bald Linderung verspüren.

Dies wird auch vom BGA anerkannt, sowohl für Eibischwurzel als auch für Eibisch-Blätter.

Der Schleim legt sich wie eine Schutzschicht über die empfindlichen und gereizten Stellen, die darunter schneller abheilen. Bei Verletzungen der Haut ist die Wirkung ebenso gut. Und wer einen heißen Umschlag mit Eibisch bei Furunkeln und Karbunkeln macht, wird gleichfalls Linderung (Reifung) erfahren.

Eine Eibischwurzel-Abkochung muß auf besondere Art zubereitet werden, denn die Stärke darf nicht verkleistern. So stimmt das Wort Abkochung eigentlich nicht, weil bei der ZUbereitung nicht gekocht wird, doch gebraucht man den Begriff als Fachausdruck immer noch.


So wird Eibischwurzel-Tee (Abkochung) bereitet:

2 TL geschnittene Eibischwurzel mit ¼ Liter kaltem Wasser übergießen und unter gelegentlichem Umrühren ½ Stunde stehen lassen.

Danach rührt man noch einmal gründlich um und seiht den Tee durch Mull ab. Der fertige Tee wird auf Trinktemperatur erwärmt. Man trinkt ihn ganz langsam in kleinen Schlucken.


Einen Eibischblätter-Tee bereitet man so:

2 TL Eibischblätter werden mit ¼ Liter heißem Wasser übergossen und 10 Minuten lang ausgezogen. - Ungesüßt trinkt man diesen Tee bei Magen- und Darmstörungen, gebraucht ihn zu Spülungen und zum Gurgeln oder zu Umschlägen bei Wunden. Bei Husten ist Süßen mit Honig zu empfehlen. Diabetiker nicht süßen.


Sonstige Zubereitungen:

In früherer Zeit war der Eibisch-Sirup ein sehr beliebtes Hustenmittel in der Kinderheilkunde. Wenn man ihn zusätzlich mit einigen Tropfen einer ammoniakalischen Anisöl-Lösung versetzt, dem sogenannten Liquor Ammonii anisatus (Anistropfen), den man bestimmt noch in der Apotheke bekommt, dann hat man einen natürlichen und wirksamen Hustensaft gegen Reizhusten  und Bronchitis der Kinder.

3- bis 5mal täglich 1 bis 2 Teelöffel sind die richtige Dosierung. Eibisch-Sirup ist nicht lange haltbar.

Weil er heute kaum mehr verordnet wird, haben ihn die Apotheken nur noch selten vorrätig.

Anhand folgender Vorschrift, kann  man diesen Eibisch-Sirup selbst herstellen:

2 gr grob zerschnittene Eibischwurzel gibt man auf einen Filter und übergießt sie mit einer Mischung aus 1 gr Weingeist und 45 gr Wasser. Das ablaufende Wasser fängt man auf, um es sofort erneut über den Eibisch zu gießen. Das soll eine Stunde lang ununterbrochen geschehen. 37 gr der so erhaltenen Flüssigkeit versetzt man mit 63 gr Zucker und kocht auf, nachdem man den Zucker in der Flüssigkeit gelöst hat.


Eibisch als Hausmittel:

Alle oben genannten Anwendungen kennt die Volksmedizin auch, doch wird hier noch sehr häufig mit den Blättern und Blüten gearbeitet. Aus den Blättern kocht man einen Brei, der auf Wunden gelegt wird, die Blüten verwendet man, mit Honig gekocht, als Hustenmittel. Oft wird auch die unzubereitetet Wurzel bei Halsweh gekaut.


Nebenwirkungen:

Die Anwendung von Eibisch ist unbedenklich. Man muß jedoch peinlichst darauf achten, keine angeschimmelte Ware zu bekommen. - Apothekenware ist einwandfrei.

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